Kameradschaft ehem. Soldaten Rüthen e.v., gegr. 1858

Chronik der Kameradschaft ehemaliger Soldaten Rüthen

Gedankt sei an dieser Stelle unserem ehem. ersten Vorsitzenden und Oberst Hermann Krämer für das Recherchieren und Niederschreiben dieser Chronik, sowie Sonja Hövelbrinks für das Erfassen des Textes. Der Text wurde aus dem Originaltext von Herrn Krämer übernommen.

Die Kameradschaft ehemaliger Soldaten Rüthen e.V.

Ein Spaziergang durch die Geschichte der Rüthener Kameradschaft 1858

Die Anfänge der Reservistenkameradschaften überhaupt

Am 8.Juni 1786 also wenige Wochen vor dem Tode des großen Preußenkönigs,

der bei uns als der „Alte Fritz“  bekannt ist wurde von 40  ehemaligen Soldaten des preußischen „Füsilierregimentes von Brünning“ zu Wengerin in Pommern die die „Militärische Schützenbruderschaft“ gegründet. Die Satzung enthielt u.a. folgende Bestimmung: 

…damit unsere Sache einen festen Grund haben soll und bei uns bis in die spätesten Zeiten nachgelebt werden muss. Mit der Gründung dieser Bruderschaft in Wengerin, die als erste Stammkameradschaft anzusprechen ist, beginnt die Geschichte des Kriegervereinswesens, das damit auf eine über 200-jährige Tradition zurückblicken kann. Bis zu den Befreiungskriegen entstanden hier und da einzelne weitere Kameradschaften. Einen gewissen Aufschwung aber nahm das Kriegervereinswesen nach 1813 und zwar vor  allem in dem Staate, der zuerst die allgemeine  Wehrpflicht eingeführt hatte, also in Preußen. Diese Vereine nahmen nur Frontkämpfer auf. Obwohl sie durch Kabinettsorder von König Friederich Wilhelm IV vom 22.02.1842 ausdrücklich und gesetzlich anerkannt wurden, sanken  ihre Mitgliederzahlen ganz natürlich durch das Ableben der Veteranen  aus den Befreiungskriegen.

Nach dem Revolutionsjahr 1848 wurden überall in Preußen Wünsche laut, auch Reservisten in  die Vereine aufzunehmen. Dieser Schritt machte nicht nur die bestehenden Vereine  stärker, sondern führte zu zahlreichen  Gründungen neuer Kameradschaften. Es gibt zwar keine Gründungsurkunde über den Kriegerverein Rüthen, jedoch gibt es mehrere Anzeichen dafür das dass Stiftungsfest 1858 stattfand.

 

1902

Einmal gibt es ein Bild des Kriegervereins aus dem Jahre 1902, wo unter dem Bild zu lesen ist:

Zur Erinnerung an das „50 jährige Stiftungsfest Kriegerverein Rüthen“. Außerdem erhielt der Verein im Jahre 1908 vom Preußischen König einen Fahnennagel den nur Kriegervereine erhielten die 40 Jahre bestanden.

Dieser Fahnennagel übrigens, mit einem schwarz/weißem Wimpel  schmückt noch heute die Fahne von 1987.

Den Grundstein des Rüthener Kriegervereins legte wohl ein gewisser Wilhelm Rollmann.

Im Archiv des Kreises Soest wurde nämlich ein Brief aus dem Jahre 1862 entdeckt, indem Wilhelm Rollmann von seiner Teilnahme in den Befreiungskriegen 1813/14 berichtet und von einer Liste in der noch weitere Teilnehmer des Krieges benannt seien sollen die damals in Rüthen wohnten. Wilhelm Rollmann war in dieser Zeit Baumeister und Ackerbürger in Rüthen.

Sein Name und der seiner Gattin finden wir noch als Stifter einer Kreuzwegstation unter dem Rüthener Friedhof.

Laut Stadtarchiv  Rüthen ist der  Verein am 03.07.1868 offiziell gegründet worden. Jedoch muss dieses zusammenfinden der Kameraden laut eigener schriftlichen Stücke schon 1857/58 stattgefunden haben. Dieses Jahr 1858 wird nun als Gründungsdatum angenommen.

Leider fehlen viele Unterlagen aus vergangener Zeit wir werden es wohl niemals genau ergründen können .In dieser Zeit also fällt auch das Zusammenfinden einiger „gedienter Soldaten“ in Rüthen, die neben den seit alters her bestehenden Schützenvereinen eine eigene Kameradschaft gründen wollten. Gleiche Auffassungen, Interessen und die Erinnerungen vor allem der Männer der einzelnen Jahrgänge, die ja gleichzeitig aus dem Militärdienst entlassen  wurden, führten dann wohl zur Gründung der so genannten „Krieger- und Schützenbruderschaft“ Rüthen.

1864 - Aufschwung

Einen bedeutsamen Aufschwung erfuhr die Bruderschaft durch die Kriege 1864,1866 und vor allem durch den Krieg 1870/71.  Die Frontkämpfer blieben aber nicht unter sich, sondern jeder junge Deutsche konnte Mitglied werden, der seinen Dienst  beim Militär in Ehre abgeleistet hatte. Es entstand ein Kriegervereinswesen, das  sich über das ganze, neu gegründete  „Deutsche Reich“ ausbreitete. Es gibt heute noch auf dem Rüthener Friedhof ein Grabstein mit der Aufschrift: Franz Grawe Veteran 1870/71. Franz Grawe ist, wie aus alten Unterlagen hervor geht, im Jahre 1934  zu seinem 88. Geburtstag geehrt worden. 

1890 wurde die erste Fahne geweiht die noch heute 100 Jahre später erhalten ist. Sie wurde vor ein paar Jahren konserviert und in der Stadthalle angebracht.

Im Jahre 1886 wurde Herr Kreisphysikus Dr. med Röper  beim scheiden von Rüthen Ehrenmitglied des Kriegervereins Rüthen. Diese Urkunde ist nach langen Umwegen vor ein paar Jahren endlich wieder aufgetaucht.

Außerdem wurde 1908 der Reichstagsabgeordnete Amtsrat Wilhelm Schwarze Ehrenmitglied des Kriegervereins Rüthen. Er vertrat die Kreise Lippstadt, Brilon und Meschede im Reichstag (siehe Heimatblätter des „Patriot“ vom 19.07.1951)

Die Zeit des Ersten Weltkriegs bewirkte naturgemäß jedes Jahr mit der Entlassung der wehrpflichtigen Männer aus dem Militärdienst einen Zuwachs der Mitglieder. So konnte die Bruderschaft, die sich mittlerweile „Kriegerverein“ nannte, schon vor der Jahrhundertwende über 100 Mitglieder in ihren Reihen zählen. Im Jahre 1900 war dem „Kuffhäuserbund“ beigetreten, der damals die Zusammenfassung aller Kriegervereine im Deutschen Reich unter Kaiser Wilhelm II bedeutete. Zu beginn des Ersten Weltkrieges umfasste dieser Bund 42000 Kameradschaften mit rund 4 Millionen Mitgliedern. Der damalige Kriegerverein in Rüthen feierte im September jeden Jahres sein Kriegerfest. Das jährliche Kriegerfest übrigens, das noch bis in die 70iger Jahre gefeiert wurde glich einem Schützenfest. Es dauerte in der Regel 2 Tage und zwar samstags und sonntags.

Ein weiterer Grund zu einem Festabend war jährlich am23. Januar „Kaisers Geburtstag“. An diesen Festen nahmen ohne Aufforderung auch Nichtmitglieder des Kriegervereins teil,  so z.B. Angehörige des Landsturms und der Landwehr (Reservisten 1. u. 2. Ordnung). Im Jahre 1908 wurde das 40-jährige Bestehen des Vereins gefeiert. (Hier ging man wahrscheinlich von der offiziellen Gründung aus.)

Dazu schreibt der „Patriot“ am 27.08.1908:

Die Feier seines 40jährigen Bestehens beging am vergangenen Sonntag der Kriegerverein Rüthen unter zahlreicher Beteiligung der hiesigen Bürgerschaft. Leider zwang der am Nachmittag einsetzender Regen zu einzelnen Änderungen des Festprogramms.

So  musste die alle 5 Jahre auf dem Marktplatz stattfindende feierliche Dekorationen der mehr als 25 Jahre Mitglied gewesenen Krieger dort ausfallen. Die Überreichung der Dekorationen durch die Ehrendamen erfolgte daher erst später  in der Festhalle. Im Übrigen wurde aber die Festfreude der Krieger durch die schlechte Witterung nicht beeinträchtigt. Die Feier verlief auch in ungetrübter Fröhlichkeit bis in den frühen Morgen.

Aus dieser Zeit  ist es vielleicht erwähnenswert, dass beim Heimgang eines Kameraden, der so  beerdigt wurden, wie es “ beim Regimente“ gebräuchlich war. Die Kameradschaft ging mit der Fahne und mit den Gewehren voran, die „verkehrt zur Leiche“ getragen wurden. Die Trommel war gedämpft, über das Grab schossen die Kameraden drei Salven. Wenn der Tote aber nicht im Felde gewesen war, „blieb dieses nach“. Der Verein besaß sogar noch bis in den 70 Jahren  eigene Vereinsgewehre die heute jedoch verschwunden  sind. Auch heute noch werden die verstorbenen Kameraden zu ihrer letzten Ruhe begleitet, allerdings nur noch mit Trommel und Fahne. Außerdem erhielt früher die Witwe eines verstorbenen Kameraden einen Geldbetrag aus der Vereinskasse.

Der Erste Weltkrieg ließ natürlich alles Vereinsleben ruhen. Die Tätigkeit der Kameradschaft beschränkte sich darauf, dass die  alten Kameraden, die am Kriegsdienst im Felde nicht mehr teilnahmen, sich an den Trauergottesdiensten für die zahlreichen Rüthener Gefallenen beteiligten. Nach dem verlorenen Krieg  durfte die damalige Reichswehr keine Reservisten halten, d.h. durch Art.173 des Versailler Friedensvertrages wurden Landsturm und Landwehr abgeschafft. Es spricht für die heimgekehrten Frontsoldaten, dass sie ungeachtet der Gesetze der Siegermächte die Kameradschaft unter dem Namen „Krieger und Landwehrverein Rüthen“ neu ins Leben riefen. Den  im Kriege Gefallenen und Vermissten gegenüber war es für den Verein eine vornehme Pflicht, im Jahre 1923 in Zusammenarbeit mit der Stadt Rüthen und den spendenfreudigen Bürgern das würdige Kriegerdenkmal mit dem schönen Ehrenfriedhof anzulegen. Die zurückgekehrten Kriegsteilnehmer verhalfen der Kameradschaft zu einer neuen Blüte, so konnte der Verein Anfang der 30iger Jahre 175 Mitglieder zählen. Außerdem wurde  im Jahre 1923 eine zweite neue Fahne geweiht. Diese Fahne haben wir in diesem Jahr wieder restauriert und sie wird bei besonderen Ereignissen mitgeführt.

Nach 1933 hatte der Kriegerverein in der sog. „Neuen Zeit“ einige schwierige Jahre zu überstehen. Die damaligen Kriegervereine wurden dem Reichskriegerbund unterstellt. Die Kriegervereine die als besonders Königstreu galten  waren sie für das NS-Regime immer ein Dorn im Auge. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges erstarb das Vereinsleben allmählich- In den ersten Kriegsjahren wurden noch zu den Weihnachtstagen Feldpostpäckchen verschickt, sehr aktiv beteiligten sich die Kameraden an der Sammlung von Winterbekleidung für die Soldaten der Ostfront im Winter 1941/42. Dann löste Hitler durch Dekret vom 3.März 1943 im Zuge der Kriegsnotwendigen Organisations- Vereinfachung den Reichskriegerbund auf. Damit waren alle Kameradschaften jeglicher Aktivitäten verboten.

Die alliierten Sieger sprachen nach dem Krieg 1945 ein generelles Verbot für alle „militanten“ Verbände aus. Erst nachdem sie die demokratische Gesinnung noch und nöcher geprüft hatten, wurden Schützenvereine und später auch die Traditionsvereine soldatischer Natur wieder zugelassen.

Nach anfänglichem Zögern wurde der Verein von einer Anzahl alter Vorkriegsmitglieder zusammen mit dem Heimkehren der neuen Kriegsgeneration 1948 wieder neu ins Leben gerufen. Die Fahnen des Vereins überstanden die Ereignisse nur, weil sie zwischen  Heu und Stroh auf einem Rüthener Dachboden gelagert waren.

Im Mai 1954 feierte die „Kriegerkameradschaft Rüthen“ ihr erstes Stiftungsfest nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dieser Feier war die Übergabe des erweiterten Ehrenmals in seiner Neugestaltung und Vollendung an die Bevölkerung verbunden. Dann wurden im Jahre 1958das 100jährige sowie im Jahre 1975(1973) das 115-jährige und im Jahr 1985(1983) das 125-jährige Jubiläum mit großen Festumzügen gefeiert.

Mit dem Ableben der älteren Kameraden in den 50er und 60er Jahren nahm die Mitgliederzahl ständig ab, so lag es auf der Hand, die entstandenen Lücken durch „gediente Bundeswehrsoldaten zu schließen. Im Zuge dieser Entwicklung wurde im Jahre 1975 der Kriegerverein Rüthen in den Namen „Kameradschaft ehemaliger Soldaten Rüthen“ umbenannt.

Im Jahre 1987 wurde dann eine  neue Fahne angeschafft und geweiht. Damit besitzt der Verein heute drei Fahnen eine von 1890 von 1925 sowie eine von 1987.